Januar-Seminar von Frau & Handwerk „Umsatzsteuer Update / Aktuelle Gesetzesänderungen §13b“

 

Mehrwertsteuerrecht ist nicht immer auf Anhieb verständlich. Dies gibt selbst Juliane Kokott, Generalanwältin beim EuGH, zu.

Zum 01.10.2014 wurde § 13b UStG – das Gesetz Zur Umkehr der  „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Bauleistungen und Metalllieferungen“, kurz  Reverse Chardge neu geregelt, um Steuerausfälle durch Nichtzahlung der Umsatzsteuer zu verhindern.

In dem Seminar

Umsatzsteuer Update / Aktuelle Gesetzesänderungen §13b

widmete sich Frau & Handwerk zusammen mit dem Forum junger Handwerksunternehmer am 28. Januar 2015 diesem umfangreichen Thema.

Mit Diplom-Betriebswirt (FH) und Steuerberater bei der W+ST Wirtschaftsprüfung AG Wendelin Liebgott konnte ein kompetenter Referent für dieses Seminar gewonnen werden. Liebgott beschrieb zuerst einmal die derzeitige unübersichtliche Situation im Mehrwertsteuerrecht  und die Gründe für die Gesetzesänderung.

Aufgrund der Fülle von Änderungen ist es selbst für erfahrene Praktiker schwierig geworden, sicher mit der Materie umzugehen.  Komplizierte Regelungen mit Altregelungen im Baubereich, Übergangsfristen und Neudefinitionen (Was ist eine Bauleistung? – 10 Prozent Regelung – Erforderliche Neudefinition des Begriffs „Werklieferung“ durch den Bundesfinanzhof) machen den Umgang mit der neuen Gesetzeslage nicht gerade einfach.

 

Was genau hat sich für Unternehmen im Handwerk geändert? Wer ist betroffen von § 13b?

War es bisher üblich, dass im Baugewerbe bei bestimmten Bauleistungen nicht der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer ans Finanzamt abführt, sondern der Auftraggeber, so wurde das durch das Reverse Charge-Verfahren geändert. Nun schuldet der Leistungsempfänger die Steuer. Durch die Verlagerung der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger entsteht nun für den leistenden Unternehmer keine Steuerschuld, er haftet auch nicht neben dem Leistungsempfänger. Das System funktioniert nur, wenn der Leistungsempfänger zum Vorsteuer-Abzug berechtigt ist. Dann fallen bei ihm Umsatzsteuerschuld und Vorsteuerabzugsberechtigung zusammen und es entstehen ihm ebenfalls keine Steuerschulden.

Dazu gab der Referent in seinem Vortrag einen ausführlichen Überblick über die wichtigsten Fragen: Wann kann § 13b angewendet werden? Wie hat eine Rechnung auszusehen? Wie sind die Übergangsfristen geregelt?

„Verlangen Sie zur korrekten Rechnungserstellung von Ihrem Leistungsempfänger die Vorlage des Leistungsnachweises zur Steuerschuldnerschaft“ empfiehlt der Referent. „Folgen Sie am einfachsten dem Schreiben des Finanzamtes – dann sind Sie auf der sicheren Seite!“. Er erinnerte daran, dass zur einwandfreien Rechnungsstellung jede einzelne Bauleistung unterschieden werden muss.

Interessant war für die Seminar-Teilnehmer/innen auch die Frage, wie in unserer grenznahen Region die Neuregelung mit französischen, luxemburgischen und belgischen Leistungsempfängern zu handhaben ist. Auch zur richtigen Buchung bei Datev hatte er einige Tipps zusammengestellt.

Zum Schluss konnte ein Seminar-Teilnehmer der  aufwendigen Steuer-Neuregelung auch etwas Gutes abgewinnen: „Etwas Positives hat § 13b für mein Unternehmen im Baubereich aber doch: ich muss nicht mehr mit der Steuer in Vorkasse treten“.

SGE